Süßwasser Aquarium
Grundlagen der Süßwasseraquaristik. So startest du erfolgreich dein Aquariumprojekt!
Der ultimative Schritt für Schritt Guide für ein Süßwasser Aquarium
Ein Süßwasseraquarium ist für viele Aquaristik-Einsteiger der perfekte Startpunkt. Es ist vielseitig, relativ einfach zu pflegen und bietet unzählige Möglichkeiten – vom Pflanzen-„Dschungel“ bis zum minimalistischen Aquascape. Dieser Guide führt dich von der Idee bis zur fertigen, gesunden Wasserwelt.

1. Grundlagen der Süßwasseraquaristik
Bevor du ein Aquarium einrichtest, ist es wichtig zu verstehen, wie ein Süßwasseraquarium als Ökosystem funktioniert.
Ein Aquarium ist kein dekoriertes Glas voller Wasser, sondern ein biologischer Kreislauf aus:
- Wasserchemie
- Mikroorganismen
- Pflanzen
- Tieren
- Technik
Der zentrale Prozess ist der Stickstoffkreislauf. Fische scheiden Ammonium aus, Pflanzen und Futterreste erhöhen die Belastung des Wassers. Filterbakterien wandeln diese Stoffe um:
- Ammonium / Ammoniak (giftig)
→ wird zu - Nitrit (sehr giftig)
→ weiter zu - Nitrat (ungiftig, Pflanzennährstoff).
Damit dein Aquarium stabil läuft, muss es zuerst „reifen“, also ein Einfahrprozess von mehreren Wochen durchlaufen – bevor Fische einziehen.
2. Planung: Der wichtigste Schritt überhaupt
Viele Anfänger kaufen einfach ein Becken, Wasser und Fische – und scheitern dann an Algen, kranken Tieren oder ständigen Problemen. Gute Planung erspart dir später sehr viel Ärger. Ebenso wird bei der Planung auch der Schutz der Wohnung vergessen. Wenn der Glasbehälter beschädigt wird kann es schnell zu einem teurem Wasserschaden kommen. Denkt deshalb an eine Hausratversicherung und prüft das dieser Punkt abgedeckt ist.
Schritt 1: Becken wählen
Für Einsteiger ideal: 60–120 Liter.
Warum?
- je größer das Becken, desto stabiler die Wasserwerte
- Fehler wirken sich weniger stark aus
- einfache Technik reicht aus
- große Auswahl an Fischen möglich
Beliebt sind:
- 60×30×30 cm (54 l)
- 80×35×40 cm (112 l)
- 100×40×40 cm (160 l)
Schritt 2: Standort festlegen
Ein idealer Platz ist…
- nicht in direkter Sonne
- nicht neben einem Heizkörper
- nicht an einer vibrierenden Stelle (Waschmaschine, laute Boxen)
- stabil und tragfähig
Wichtig: 100 Liter = 100 kg (plus Glas, Bodengrund, Deko → schnell 150 kg).
Schritt 3: Stil auswählen
Es gibt viele Einrichtungsstile:
- Pflanzenaquarium / Aquascape
- Gesellschaftsaquarium
- Artaquarium
- Biotopaquarium
Je nach Stil benötigst du andere Pflanzen, Tiere und Technik.
3. Technik: Das Herz des Aquariums
Filter
Gute Einsteigerfilter:
- Innenfilter (günstig, leicht zu warten)
- Außenfilter (leistungsstärker, sehr stabil)
Der Filter sollte:
- 3–5× das Beckenvolumen pro Stunde umwälzen
- Platz für biologisches Material haben (Keramikringe, Schwämme)
Heizung
Die meisten Süßwasserfische brauchen 24–26°C.
Regel: ca. 1 Watt pro Liter.
Beleuchtung
Moderne LED-Lampen:
- energieeffizient
- lange Lebensdauer
- steuerbar (dimmbar, Sonnenauf-/untergang)
Pflanzen benötigen ca. 6–10 Stunden Licht täglich.
Bodengrund
Unterscheidung:
- Nährboden + Kies (klassisch)
- Soil (optimal für Pflanzen, Aquascaping)
- Kies oder Sand (für bestimmte Fische)
Als Einsteiger kannst du sehr gut mit Sand oder feinem Kies starten.
Deko
Natürliche Materialien:
- Wurzeln (Moorholz, Mangrove, Talawa)
- Steine (Drachenstein, Schiefer, Seiryu)
Vorher abspülen – niemals abkochen (Steine können platzen).

4. Einrichtung: Schritt für Schritt
Jetzt wird es praktisch.
Hier ist eine komplette Einrichtungsanleitung.
Schritt 1: Aquarium reinigen
Nicht mit Seife!
Nur klares Wasser und ein Mikrofasertuch.
Schritt 2: Bodengrund einbringen
Schichtdicke:
- Boden: 3–5 cm
- Hinten etwas höher für Tiefenwirkung
Schritt 3: Hardscape positionieren
Hardscape = Steine + Wurzeln.
Tipps:
- Wurzel zuerst
- Steine so arrangieren, dass sie natürlich aussehen
- Goldener Schnitt verwenden
- Plätze für Pflanzen einplanen
Schritt 4: Pflanzen einsetzen
Schnellwachsende Pflanzen sind Gold wert:
- Wasserpest
- Hornkraut
- Vallisneria
- Hygrophila
- Schwimmpflanzen (Froschbiss)
Einsteigerfreundlich sind:
- Anubias
- Javafarn
- Cryptocorynen
Tipp: Je mehr Pflanzen am Anfang, desto weniger Algen.
Schritt 5: Aquarium füllen
Am besten:
- Teller auf den Bodengrund legen
- langsam befüllen → wirbelt nichts auf
Danach Technik einschalten:
- Filter an
- Heizer einstellen
Licht 6 Stunden pro Tag starten
5. Die Einfahrphase
Dauer: ca. 2–6 Wochen
Woche 1:
- Wasser wird trüb → normal
- Bakterien beginnen sich zu bilden
- Noch keine Tiere einsetzen
Woche 2–3:
- Nitrit steigt → regelmäßige Tests
- Pflanzen beginnen zu wachsen
Woche 4–6:
- Nitrit sinkt wieder
- Wasser stabilisiert sich
Wenn die Wasserwerte über einen gewissen Zeitraum stabil sind können langsam die Fische oder Garnelen einziehen.
6. Erste Tiere einsetzen
Nach der Einfahrphase wählst du passende Tiere.
Einsteigerfreundliche Arten:
- Guppys
- Platys
- Panzerwelse
- Garnelen (Amano, Neocaridina)
- Schnecken (TDS, PHS)
Regeln:
- langsam besetzen
- nicht mehrere große Arten
- auf Verträglichkeit achten
- Fische eingewöhnen (Temperaturanpassung)
7. Pflege und Wartung
Wöchentlich:
- 30–50 % Wasser wechseln
- Scheiben reinigen
- Pflanzen stutzen
- Boden absaugen (bei Kies)
Monatlich:
- Filter vorsichtig reinigen
(nie unter heißem Wasser → Bakterien sterben!)
8. Typische Anfängerfehler
- Fische zu früh einsetzen
- Zu viele Tiere
- Überfütterung
- Zu wenig Pflanzen
- Licht zu lange an
- Filter falsch reinigen
9. Zusätzliche Tipps für ein perfektes Ergebnis!
a) Schwimmpflanzen gegen Algen:
Schwimmpflanzen spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Algen im Aquarium. Sie sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern helfen auch aktiv dabei, das Algenwachstum zu verhindern, indem sie überschüssige Nährstoffe im Wasser aufnehmen. Diese Nährstoffe, insbesondere Nitrat und Phosphat, sind die Hauptnahrungsquelle für Algen. Ohne genügend Nährstoffe haben Algen es schwer, sich zu vermehren.
Warum Schwimmpflanzen wichtig sind:
Nährstoffabsorption: Schwimmpflanzen entziehen dem Wasser wichtige Nährstoffe, die Algen für ihr Wachstum benötigen.
Schattenspender: Sie bieten Schatten, was den Algen das notwendige Licht für die Photosynthese nimmt und das Algenwachstum reduziert.
Bessere Wasserqualität: Schwimmpflanzen tragen dazu bei, das Wasser sauberer zu halten und verbessern so das allgemeine Ökosystem im Aquarium.
Beliebte Schwimmpflanzen:
Wasserlinsen (Lemna minor): Wachsen schnell und sind sehr effektiv bei der Nährstoffaufnahme.
Hornblatt (Ceratophyllum demersum): Eine schnell wachsende Pflanze, die Algen effektiv bekämpft.
Salvinia natans: Eine wunderschöne, schwimmende Pflanze, die Algen ebenfalls stark reduziert.
CO₂-Anlagen sind ein Muss, wenn du ein prächtiges Pflanzenwachstum und eine gesunde Aquariumumgebung erzielen möchtest. CO₂ ist ein entscheidender Nährstoff für Pflanzen, da es für die Photosynthese notwendig ist. In Aquarien ohne CO₂-Düngung können Pflanzen langsamer wachsen, was dazu führen kann, dass Algen schneller übernehmen.
Vorteile einer CO₂-Anlage:
Optimales Pflanzenwachstum: Mit einer CO₂-Anlage können Pflanzen besser gedeihen, da sie mehr Kohlenstoff für ihre Photosynthese erhalten.
Schönere Farben und kräftigere Blätter: Pflanzen entwickeln bei ausreichender CO₂-Versorgung tiefere Farben und ein gesünderes Aussehen.
Stabiler Wasserwert: Eine gute CO₂-Versorgung hilft, das pH-Level im Aquarium zu stabilisieren, was den Fischen und Pflanzen zugutekommt.
Tipps zur Nutzung einer CO₂-Anlage:
Achte darauf, dass der CO₂-Gehalt im Aquarium im Bereich von 20–30 mg/l liegt, um Pflanzen optimal zu versorgen.
Kontrolliere regelmäßig den pH-Wert und den CO₂-Check, um eine Überdüngung zu vermeiden. Zu viel CO₂ kann den pH-Wert drastisch senken und die Fische gefährden.
Eine CO₂-Anlage mit einem pH-Controller kann dir helfen, die Werte stabil zu halten.
c) Tageslichtsimulation für schöne Farben:
Licht ist einer der wichtigsten Faktoren für das Wachstum von Pflanzen und das Wohlbefinden der Tiere in einem Aquarium. Eine Tageslichtsimulation ist eine großartige Möglichkeit, sowohl das Pflanzenwachstum zu fördern als auch eine angenehme Atmosphäre für die Fische zu schaffen.
Warum Tageslichtsimulation wichtig ist:
Natürliches Licht für Pflanzen: Eine Tageslichtsimulation stellt sicher, dass Pflanzen ausreichend Licht für die Photosynthese bekommen, was ihr Wachstum und ihre Gesundheit fördert.
Farbgebung der Fische: Durch richtiges Licht können die Farben der Fische viel intensiver und lebendiger erscheinen. Besonders bei tropischen Fischen kommt das farbenprächtige Erscheinungsbild unter der richtigen Beleuchtung besser zur Geltung.
Energieeffizient: LED-Beleuchtungssysteme sind eine großartige Möglichkeit, eine Tageslichtsimulation zu erzeugen, da sie wenig Strom verbrauchen und eine lange Lebensdauer haben.
Wie du Tageslichtsimulation umsetzt:
Automatische Steuerung: Nutze Zeitschaltuhren oder Smart-Home-Systeme, um den Lichtzyklus an die natürlichen Tageszeiten anzupassen. Eine Beleuchtung von 8–12 Stunden täglich ist ideal.
Spektrum beachten: Achte auf Lichter mit einem Vollspektrum, das sowohl blaues als auch rotes Licht umfasst, da diese das Pflanzenwachstum und die Farbwiedergabe von Fischen am besten unterstützt.
d) Dunkler Bodengrund für bessere Tiefenwirkung:
Ein dunkler Bodengrund sorgt nicht nur für ein schöneres visuelles Erscheinungsbild, sondern kann auch das Wohlbefinden der Fische fördern. Der Kontrast zwischen den Pflanzen, Fischen und dem dunklen Boden lässt die Farben lebendiger wirken und schafft eine natürlichere Atmosphäre.
Vorteile eines dunklen Bodengrunds:
Tiefenwirkung: Dunkelere Farben lassen das Aquarium größer und tiefer wirken, indem sie das Licht besser absorbieren und die Struktur des Aquariums betonen.
Bessere Farben für Pflanzen und Fische: Dunkler Boden hebt die Farben der Pflanzen und Fische hervor, was besonders bei tropischen Arten ein ästhetisches Highlight ist.
Förderung von Pflanzenwachstum: Ein dunkler Bodengrund fördert die Bildung von Mikroorganismen, die den Pflanzen als Nährstoffquelle dienen.
Wahl des Bodengrunds:
Aquariensubstrat: Für Aquarienpflanzen solltest du ein spezielles Nährsubstrat wählen, das den Pflanzen hilft, Nährstoffe besser aufzunehmen.
Farbe und Material: Dunkle Schiefersteine oder Kies in dunklen Brauntönen oder Schwarz sind besonders beliebt. Vermeide sehr helle Farben, die die Tiefenwirkung zerstören könnten.
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