Meerwasser Aquarium

Grundlagen der Meerwasseraquaristik. So startest du erfolgreich dein Aquariumprojekt!

Der ultimative Schritt für Schritt Guide für ein Meerwasser Aquarium

Ein Meerwasseraquarium ist das Kronjuwel der Aquaristik. Farbenfrohe Korallen, schimmernde Rifffische, lebende Steine – kein anderer Bereich ist so faszinierend und zugleich so anspruchsvoll. Dieser Guide zeigt dir, wie du dein eigenes kleines Riff aufbaust.

Meerwasser Aquarium

1. Grundlagen der Meerwasseraquaristik

Ein Meerwasseraquarium ist ein hochsensibles Ökosystem mit:

  • feinen Wasserparametern
  • hoher Lichtenergie
  • starker Strömung
  • lebenden Steinen als Filterbasis

Die wichtigsten Wasserwerte:

  • Salinität (34–35 PSU / 1.023–1.025)
  • KH (7–9)
  • Calcium (400–450 mg/l)
  • Magnesium (1250–1400 mg/l)
  • Nitrat niedrig (0–15)
  • Phosphat niedrig (0–0,1)

2. Planung:

Ein Meerwasseraquarium zu planen bedeutet, den ersten Schritt in eine völlig neue Welt zu setzen – eine Welt voller Farben, faszinierender Lebewesen und lebendiger Riffe, die direkt in deinem Zuhause entstehen können. Doch bevor die ersten Fische durchs Wasser gleiten oder Korallen ihre fluoreszierenden Farben entfalten, steht eine durchdachte Vorbereitung an erster Stelle. Besonders in der Meerwasseraquaristik entscheidet eine gute Planung darüber, ob dein zukünftiges Riff stabil, gesund und langfristig erfolgreich sein wird. Von der richtigen Beckengröße bis zum optimalen Standort: Jedes Detail beeinflusst das empfindliche biologische Gleichgewicht des Meeres in deinem Wohnzimmer.

Meerwasser Aquarien umfassen meistens noch mehr Wasser als ein Süßwasserbecken. Daher ist eine gute Absicherung für euch Gold wert.

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Schritt 1: Beckengröße

Startgröße für Einsteiger: 250–350 Liter

Warum nicht kleiner?

  • Meerwasser reagiert empfindlich
  • große Becken sind stabiler
  • Korallen brauchen Platz
  • Fischbesatz ist einfacher

Schritt 2: Standort

Wie beim Süßwasser, aber noch wichtiger:

  • absolut stabiler Untergrund
  • Steckdosen in der Nähe (du brauchst viele!)
  • keine direkte Sonne
  • Platz für einen Unterschrank > oft Technikbecken (Sump) im Unterschrank

3. Technik für Meerwasseraquarien

Meerwasser benötigt hochwertige Technik.

  1. Beleuchtung

Leistungsstarke LED-Riffbeleuchtung:

  • Spektrum für Korallen (UV, Blau, Royalblau, Weiß)
  • programmierbar
  • 8–12 Stunden Licht

Marken: AI, Radion, Kessil usw.

  1. Eiweißabschäumer

Entfernt organische Abfälle → essentiell.

  1. Strömungspumpen

Korallen brauchen starke, wechselnde Strömung.
Ziel: 10–30× Beckenvolumen/Stunde.

  1. Osmoseanlage*

Leitungswasser ist ungeeignet.
Du brauchst Osmosewasser, das mit Meersalz aufgesalzen wird.

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  1. Technikbecken (optional, aber empfohlen)

Ein Technikbecken bietet gleich mehrere wichtige Vorteile für ein stabiles und pflegeleichtes Meerwasseraquarium. Zum einen schafft es zusätzlichen Wasserinhalt, was das gesamte System stabiler macht und Schwankungen – etwa bei Temperatur oder Nährstoffen – abmildert. Außerdem lassen sich abschäumer, Heizer, Filtermedien und andere Technik unsichtbar im Unterschrank unterbringen, was das Hauptbecken optisch deutlich ruhiger und natürlicher wirken lässt. Ein großer Pluspunkt ist auch die bessere Pflege und Zugänglichkeit: Im Technikbecken können Wasserwerte kontrolliert, Filtermaterial gewechselt oder Wasser nachgefüllt werden, ohne das eigentliche Schaubecken zu stören. Zusätzlich ermöglicht ein Sump den Einsatz von sinnvollen Erweiterungen wie Refugien, Algenfiltern oder Reaktoren, die die Wasserqualität langfristig verbessern.

Meerwasser

4. Das Wasser herstellen

Du brauchst:

  • Osmosewasser
  • hochwertiges Meersalz
  • Messgeräte (Refraktometer)

Schritte:

  1. Osmosewasser in Tonne füllen
  2. Salz einrieseln lassen → niemals umgekehrt
  3. Mehrere Stunden mit Pumpe durchmischen
  4. Salinität messen
  5. 25 °C anpassen
Meerwasseraquarium

5. Riffaufbau

Der Riffaufbau besteht aus:

  • Lebenden Steinen
  • Riffkeramik
  • Totgestein

Lebendgestein bringt Bakterien ein → stabiler Start.
Einsteiger: Mischung aus beidem.

Regeln:

  • luftige Konstruktion
  • viel Fläche für Korallen
  • Durchströmung möglich
  • Stabile Basis
  • keine Überhänge ohne Halt
Einfahrphase Meerwasseraquarium
Salzwasser Aquarium

6. Startphase (Einfahren)

Dauer: 6–12 Wochen

Die Einfahrphase ist einer der wichtigsten Abschnitte beim Start eines Meerwasseraquariums. In dieser Zeit entwickelt sich das biologische Gleichgewicht, ohne das kein stabiles Riff funktionieren kann. Geduld ist der Schlüssel! In den folgenden Wochen passieren viele sichtbare (und unsichtbare) Prozesse, die absolut natürlich und notwendig sind.


Woche 1–2: Der biologische Startschuss

In den ersten Tagen beginnt das Aquarium „zum Leben zu erwachen“.

  • Bakterienkulturen entwickeln sich:
    Nachdem Salz, Gestein und Sand eingebracht wurden, beginnen nützliche Bakterien, sich auf allen Oberflächen anzusiedeln. Diese Mikroorganismen sind essenziell, um später Schadstoffe wie Ammonium und Nitrit abzubauen. Besonders die ersten zwei Wochen sind geprägt von ihrem Aufbau.

  • Kieselalgenphase – braune Beläge (normal!):
    Fast jedes neue Meerwasseraquarium zeigt braune, pudrige Beläge auf Steinen und Sand. Das sind Kieselalgen, die sich dort ansiedeln, wo Silikat im Wasser vorhanden ist – völlig normal und ein Zeichen dafür, dass das System startet. Diese Phase sieht unschön aus, verschwindet aber von allein, sobald die ersten Bakterien und später Konkurrenten (andere Algenarten) stärker werden.


Woche 3–6: Das System stabilisiert sich

Nun kommt Bewegung in die biologische Entwicklung des Aquariums.

  • Grünalgen übernehmen das Becken:
    Nach den Kieselalgen folgen oft grüne Algenbeläge. Sie entstehen, weil sich das Nährstoffgleichgewicht verändert. Auch wenn sie optisch störend wirken, sind sie ein typischer Zwischenschritt, der zeigt, dass das Aquarium die nächste Stufe der Einfahrphase erreicht hat.

  • Erste Reinigungstruppen ziehen ein:
    Jetzt ist der richtige Moment, eine Putztruppe einzusetzen. Dazu gehören:

    • Schnecken (z. B. Turboschnecken, Nassarius, Trochus)

    • Einsiedlerkrebse
      Diese Tiere helfen dir, Algen und Futterreste zu reduzieren und das Ökosystem zu unterstützen. Wichtig: Nur robuste Arten einsetzen, da das Becken biologisch noch jung ist.

  • Wasserwerte beginnen sich zu stabilisieren:
    Ammonium- und Nitritwerte sinken deutlich. Die Filterbakterien arbeiten nun zuverlässiger. Trotzdem sollte weiterhin regelmäßig gemessen werden, um sicherzugehen, dass kein Wert mehr in gefährliche Bereiche steigt.


Woche 6–12: Der Weg zum ersten Leben im Riff

Jetzt ist dein Aquarium bereit für die ersten Bewohner.

  • Erste Weichkorallen können einziehen:
    Weichkorallen wie Zoanthus, Sinularia oder Sarcophyton sind robust und perfekt für den Start geeignet. Sie reagieren weniger empfindlich auf leichte Schwankungen und helfen gleichzeitig, Nährstoffe zu binden.

  • Regelmäßige Messungen bleiben Pflicht:
    Auch wenn das System nun deutlich stabiler läuft, müssen die wichtigsten Werte weiterhin überwacht werden:

    • KH

    • Calcium

    • Magnesium

    • Nitrat

    • Phosphat
      Stabile Wasserwerte garantieren einen erfolgreichen Start für dein zukünftiges Riff.

7. Erste Bewohner

Einsteigerfreundliche Wirbellose:

  • Einsiedlerkrebse
  • Turboschnecken
  • Grabende Seesterne
  • Cleaner Shrimps

Einsteigerfreundliche Fische:

  • Amphiprion (Clownfische)
  • Grundeln
  • Riffbarsche
  • Zwerglippfische

Keine Doktorfische für Anfänger!

8. Korallen für Einsteiger

  • Korallenarten:

    Weichkorallen (leicht)

    • Xenia
    • Sarcophyton
    • Zoanthus

    LPS-Korallen (mittelschwer)

    • Euphyllia
    • Caulastrea

    SPS (schwer)

    • Acropora
      → erst für Fortgeschrittene

9. Wartung & Pflege

Ein Meerwasseraquarium ist ein faszinierendes kleines Ökosystem, das nur dann gesund und stabil bleibt, wenn es regelmäßig und konsequent gepflegt wird. Viele Aufgaben sind schnell erledigt, andere benötigen wöchentliche oder monatliche Aufmerksamkeit. Die richtige Pflege verhindert Probleme wie Algenexplosionen, Nährstoffungleichgewichte oder kränkende Korallen und sorgt dafür, dass das Becken langfristig gedeiht.

Im Folgenden findest du eine umfassende Übersicht über die wichtigsten Pflegebereiche – aufgeteilt nach täglichen, wöchentlichen und monatlichen Aufgaben.


1. Tägliche Pflege

Diese Maßnahmen halten das System stabil und helfen dir, frühzeitig Veränderungen oder Probleme zu erkennen.

Beobachtung der Tiere

  • Verhalten von Fischen, Garnelen und Wirbellosen kontrollieren

  • Auf Anzeichen von Stress oder Krankheit achten (z. B. schnelle Atmung, Futterverweigerung, weiße Punkte, ungewöhnliches Schwimmen)

  • Korallen auf Polypenbild, Farbe und Gewebeverlust prüfen

Temperaturkontrolle

  • Idealer Bereich: ca. 24–26 °C

  • Abweichungen können auf Technikprobleme, Raumtemperatur oder defekte Heizer/Kühler hinweisen

Nachfüllen von Verdunstungswasser

  • Aufgrund der Verdunstung sinkt der Wasserstand täglich

  • Wichtig: immer nur reines Osmosewasser oder destilliertes Wasser nachfüllen, kein Salzwasser, da sich sonst die Salinität erhöht

Technik checken

  • Funktioniert die Strömung?

  • Läuft der Abschäumer korrekt und überläuft nicht?

  • Sind Pumpen oder Filter verstopft?


2. Wöchentliche Pflege

Wöchentliche Arbeiten halten die Wasserqualität stabil und verbessern die Lebensbedingungen für Korallen und Fische.

Wasserwechsel (10–15 %)

  • Frisches Meerwasser vorbereiten (Osmosewasser + Meersalz → 24 Std. belüftet erbringen)

  • Entfernt überschüssige Nährstoffe, Schadstoffe, gelöste organische Stoffe

  • Stabilisiert wichtige Parameter wie KH, Calcium und Magnesium

Wasserwerte messen

Je nach Besatz und Korallenart sollten folgende Werte kontrolliert werden:

  • Salinität

  • KH (Karbonathärte)

  • Calcium

  • Magnesium

  • Nitrat

  • Phosphat

  • pH-Wert

Bei auffälligen Werten → Ursachen finden und gezielt korrigieren.

Reinigung der Scheiben

  • Innen: Algenmagnet oder Klingenreiniger

  • Außen: mit Glasreiniger ohne Alkohol, niemals ins Becken sprühen

Abschäumer reinigen

  • Auffangbehälter leeren

  • Halsbereich des Abschäumers mit warmem Wasser säubern → verbessert die Abschäumleistung

Kontrolle der Strömungspumpen

  • Sind die Ausrichtungen noch sinnvoll?

  • Wachsende Korallen oder Ablagerungen können die Wasserführung verändern


3. Monatliche Pflege

Diese Arbeiten sorgen dafür, dass Technik und Biologie langfristig stabil bleiben.

Pumpen und Technik reinigen

  • Strömungspumpen, Rückförderpumpen und Abschäumer komplett ausbauen

  • In Zitronensäure oder Essiglösung einlegen → Kalkbeläge lösen

  • Danach gründlich spülen

Filtermedien prüfen

  • Aktivkohle erneuern (ca. alle 4 Wochen)

  • Phosphatabsorber wechseln, wenn Werte steigen

  • Filtervlies oder Filtersocken austauschen

Nachfüllwasser- und Salzwassertanks reinigen

  • Osmosebehälter und Salzwassereimer von Ablagerungen befreien

  • Verhindert Keimbildung und Silikatansammlungen

Korallen kontrollieren und ggf. umsetzen

  • Wachstum beurteilen (zu nah aneinander → Verdrängung oder Verbrennungen möglich)

  • Ableger schneiden, wenn nötig

  • Schattenbildung oder Strömungsprobleme korrigieren

Dokumentation

  • Messwerte

  • Veränderungen im Becken

  • Pflegearbeiten
    Regelmäßige Notizen helfen, Trends zu erkennen und Probleme frühzeitig auszumachen.


4. Langfristige Pflege (alle 3–6 Monate)

Lampen warten

  • Linsen reinigen

  • Staub entfernen

  • Bei T5-Beleuchtung Röhren austauschen (alle 9–12 Monate)

Riffaufbau prüfen

  • Lockere Steine sichern

  • Sand absaugen, wenn Nährstoffdepots entstehen

  • Abschattungen durch wachsende Korallen anpassen

Osmoseanlage warten

  • Vorfilter tauschen

  • Membran prüfen

  • Leitwert messen (TDS-Wert)

10. Häufige Anfängerfehler – und warum sie problematisch sind

1. Zu schneller Besatz

Viele Einsteiger können es kaum erwarten, die ersten Fische oder Korallen einzusetzen.
Doch ein junges Becken ist biologisch instabil.
👉 Risiken:

  • Anstieg von Ammonium/Nitrit durch unzureichende Bakterienpopulation

  • Stress oder Todesfälle bei Tieren

  • Algenexplosion durch plötzlich höhere Belastung

Merke:
Jedes neue Lebewesen bedeutet mehr Stoffwechsel, also mehr Belastung fürs System.
Besatz immer langsam, in Etappen.


2. Günstige, schwache Technik

Billige Technik führt oft zu Problemen wie:

  • unregelmäßige Strömung

  • instabile Wasserwerte

  • unzuverlässige Abschäumer

  • schlechte Beleuchtung → Korallen kümmern

👉 Im Meerwasserbereich gilt:
Gute Technik spart Geld, weil sie Ausfälle, Krankheiten und Korallenverluste verhindert.


3. Leitungswasser nutzen

Leitungswasser enthält:

  • Silikat → Kieselalgen

  • Nitrat/Phosphat → Algenprobleme

  • Schwermetalle → giftig für Wirbellose

👉 Für ein Meerwasseraquarium immer Osmosewasser (RO/DI) verwenden – idealerweise aus einer eigenen Osmoseanlage.


4. SPS-Korallen in den ersten Monaten

SPS (Acropora, Montipora, Stylophora etc.) brauchen:

  • starke Beleuchtung

  • sehr stabile Wasserwerte

  • gute Strömung

Ein junges Aquarium bietet das selten.
👉 Folge: Gewebeverlust (RTN/STN), Verblassen oder komplettes Absterben.


5. Tiere mit Sonderanforderungen kaufen

Viele Anfänger kaufen Tiere, die optisch faszinierend sind, aber extrem heikel:

  • Mandarinfische (brauchen dauernd Copepoden)

  • Kaiserfische (fressen Korallen)

  • Seesterne (sehr empfindlich)

  • Gorgonia (nicht photosynthetisch → Dauerfütterung!)

👉 Immer vorher Eignung recherchieren – nicht alles, was schön aussieht, passt in jedes Becken

9. Profi-Tipps – Für ein stabiles, gesundes Riff

1. Automatische Nachfüllanlage (ATO) nutzen

Verdunstung lässt die Salzkonzentration steigen.
Ein ATO gleicht das automatisch mit Osmosewasser aus.

Vorteile:

  • stabile Dichte

  • bessere Korallengewohnheit

  • weniger tägliche Arbeit


2. Beleuchtung langsam steigern

Korallen müssen sich an intensives Licht gewöhnen.
Oft sterben sie nicht wegen „zu wenig Licht“, sondern wegen Lichtschocks.

👉 Beleuchtung über 2–4 Wochen langsam erhöhen.


3. Bakterienpräparate nutzen

  • verbessern die biologische Stabilität

  • verhindern Nitritspitzen

  • unterstützen den Biofilmaufbau

Besonders hilfreich:

  • nach Wasserwechsel

  • nach Technikproblemen

  • beim Fischbesatz


4. Strömung regelmäßig variieren

In der Natur ist Strömung niemals konstant.
Eine monotone Strömung führt zu:

  • Ablagerungen

  • „toten Ecken“

  • schlechter Sauerstoffversorgung

👉 Moderne Pumpen können automatisch Wellen-, Puls- oder Zufallsmodi erzeugen.


5. Korallen nicht zu dicht setzen

Korallen wachsen – oft schneller als man denkt.
Zu enge Platzierung führt zu:

  • Verdrängen

  • Kampfverhalten („Sweeper-Tentakel“)

  • Schattenwurf

  • Schädeln und Absterben

👉 Jede Koralle braucht Wachstumsreserve.

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